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Arztfehler


Wer muss die Folgen eines ärztlichen Fehlers beweisen?

Jeden Tag passieren unzählige dramatische Unglücke und Unfälle. Diese führen zu Schock und Trauer in den betroffenen Familien. Wenn sich die Betroffenheit legt, kommt man unweigerlich zu der Frage, wer für die Folgen des Unglücks verantwortlich ist. Oft findet man einen Schuldigen, der das Unglück selbst verursacht hat. In anderen Fällen kommt es vor, dass ein Verschulden der behandelnden Ärzte wahrscheinlich ist. So im vorliegenden Fall. Hier passierte dem allein beteiligten Autofahrer ein Unfall, in dessen Folge er schwer verletzt auf der Straße lag. Die Notärzte stabilisierten seinen Kreislauf und setzten einen Tubus zur Beatmung und legten dem Verletzten eine Halskrause zur Stabilisierung der Halswirbelsäule um. Erst nach einer Röntgenaufnahme, die infolge der Halskrause keinen Befund lieferte, kam selbige ab. Unterlassen wurde jedoch die eigentlich nun notwendige Computertomografie, so dass die Ärzte nicht bemerkten, dass ein Halswirbel angebrochen war. Mit dem Abnehmen der stützenden Halskrause setzte man die Halswirbelsäule wieder der vollen Belastung beim regelmäßigen Drehen des im Koma liegenden Patienten aus.

Als man beim Erwachen aus dem Koma feststellte, dass eine Querschnittslähmung eingetreten ist, war es bereits zu spät. Wegen dieser Schädigung wandte sich das Unfallopfer an einen Rechtsanwalt, welcher dem Gericht lediglich zu beweisen hatte, dass ein grober ärztlicher Fehler vorlag. Erst dann nämlich liegt es an den behandelnden Ärzten zu beweisen, dass diese die Schädigung des Patienten nicht verursacht haben. Ein solcher Beweis ist realistisch kaum zu führen. Der Gesetzgeber nennt diesen Sachverhalt Beweislastumkehr. Erst bei einem groben Arztfehler tritt diese in kraft. Es muss dann nicht mehr der Patient den ursächlichen Zusammenhang zwischen Behandlungsfehler und Schaden beweisen, sondern dieser wird vermutet. Daraus folgt dann die Beweispflicht der Ärzte, dass diese den Schaden nicht zu verantworten haben. Im vorliegenden Fall ergab der einfache Weg zum Rechtsanwalt ein ganz erhebliches Schmerzensgeld.

Rechtsanwalt Ray Richter