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Verfahren eingestellt


Nimmt man als Vergewaltigung nur eine Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung an, so ist die Sache klar. Vorliegend kommt aber auch eine Verletzung der finanziellen Selbstbestimmung in Betracht, was natürlich keine Vergewaltigung darstellt, aber sicher von nicht wenigen Betroffenen so empfunden wird. Was ist geschehen?

Die angeblich Geschädigte Mirza A., eine Aushilfe aus Ex-Jugoslawien, warf dem Berufskraftfahrer L. vor, sie in einem WC-Häuschen sexuell bedrängt und unsittlich berührt zu haben. L. besuchte nach stundenlanger Fahrt in seinem Truck eine Autobahntoilette und wollte sich dort mittels der dafür vorgesehenen Duschen erfrischen. Soweit stimmen die ansonsten gegensätzlichen Schilderungen überein. L. erklärt, daß A. nur verständnislos geguckt habe, als er sie fragte, ob er denn duschen könne. A. stand dort am Trinkgeldteller und war ganz offensichtlich als das tätig, was man landläufig „Klofrau“ nennt. Nach dem Verständigungsproblem ging A. wortlos weg und kam bald darauf mit einem ebenfalls ausländischen Mann wieder, der nach dem Begehr fragte und auf die wahrheitsgemäße Antwort weiterfragte, ob L. denn alleine duschen wolle. Die augenzwinkernd vorgetragene scherzhafte Antwort liegt auf der Hand. Daraufhin wurde L. von dem Ausländer verprügelt und aus dem Toilettenhäuschen geworfen. Er wusch sich dann am LKW und rief wegen der Körperverletzung die Polizei.

Mirza A. stellt den Fall jedoch so dar, daß L. sie schon beim Erstkontakt bedrängt und unmoralische Angebote gemacht habe. Ebenso soll er, der er dem zierlichen Wesen haushoch überlegen war, dieses Richtung Dusche geschoben haben, wo es ihr überraschend gelang, sich loszureißen. Angeblich holte sie dann ihren Mann, der L. noch unbekümmert in dem Vorraum antraf. Was dann geschah, deckt sich wieder in beiden Darstellungen.

Es kam zur Gerichtsverhandlung. L. war der versuchten sexuellen Nötigung angeklagt. Die Zeugin war diesmal sehr betroffen und erregt. Sie weinte lautstark und erwähnte immer wieder, daß sie Angst vor L. hätte. Die Darstellung der Vorgänge war widersprüchlich und unglaubhaft, was das Gericht jedoch nicht hinderte, den Angeklagten schuldig zu sprechen. Dem Antrag der Verteidigung, doch mal die aufnehmenden Polizisten zu hören, wurde nicht entsprochen. Das Landgericht als Berufungsinstanz holte das nach, wobei heraus kam, daß A. am angeblichen Tatort ganz gelassen und zurückhaltend war und im Gegensatz zu den Vernehmungen vor Gericht, nicht so verängstigt geweint habe.

Ebenso fiel auf, daß sich die angeblich Geschädigte jetzt auf wundersame Weise noch detailreicher als beim Amtsgericht erinnerte und auch die Widersprüche der ersten Vernehmung auflösen konnte. Das kam dem Gericht offenbar als gekonntes Schauspiel mit Gelderzielungsabsicht vor. L. ist noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und lebt in einer glücklichen Ehe. Wer ihn genauer kennt, hält den Vorwurf für absurd.

Letztendlich wissen nur die Beteiligten, was wirklich an jenem Wintertag in dem Toilettenhäuschen passierte. Dieser Fall zeigt aber recht plastisch, auf was man sich gegebenenfalls gefasst machen muß. Es spricht einiges dafür, daß hier ein abgekartertes Spiel vorgeführt wurde, um der Klofrau und ihrem Kumpan einen Nebenverdienst einzubringen. Immerhin hat ihr die Erstinstanz 3000 € zugesprochen, auf die sie letztlich verzichten mußte. Wer weiß, wie oft dieses Spielchen aber zum gewünschten Erfolg führt. Immerhin wurde A. jetzt belehrt, wie sie sich beim Eintreffen der Polizei zu benehmen hat. War es aber so, daß sich L. tatsächlich an A. vergehen wollte, wurde leider ein Schuldiger geschont. Aber so ist nun mal das Rechtsleben.

Rechtsanwalt
Ray Richter